Immer wieder werde ich von Pilgerinnen und Pilgern gefragt, ob sie ein Zelt auf den Jakobsweg mitnehmen sollen. Als ich selbst zum ersten Mal von Genf aus losgelaufen bin, hatte ich diese Frage auch nicht abschliessend geklärt. Hier meine ehrliche Einschätzung aus über zehn Jahren Erfahrung auf verschiedenen Jakobswegen und Wanderrouten.
Die Vorteile eines Zeltes
Unabhängigkeit. Der grösste Pluspunkt ist ganz klar die Freiheit. Wer ein Zelt dabei hat, ist nicht auf offene Herbergen, freie Betten oder Öffnungszeiten angewiesen. Gerade in der Hochsaison, wenn die Herbergen/Albergues auf dem Camino oft schon am frühen Nachmittag ausgebucht sind, kann ein Zelt echten Stress ersparen.
Flexibilität bei der Etappenplanung. Man kann Etappen frei nach Lust, Wetter und Kondition wählen, statt sich nach dem nächsten Dorf mit Unterkunft zu richten. Das eröffnet auch die Möglichkeit, abseits der Hauptrouten zu übernachten – etwa in der Natur oder auf einem Campingplatz. Aber Achtung! Wildes Campen ist weder in Frankreich noch in Spanien überall problemlos möglich. Bitte unbedingt immer vorgängig abklären.
Kostenersparnis. Auf langen Strecken wie dem Camino Francés oder der Via Podiensis summieren sich die Übernachtungskosten schnell. Wer viele Nächte im Zelt statt in der Herberge verbringt, spart über mehrere Wochen einen spürbaren Betrag.
Ruhe und Erholung. Wer schon einmal in einem überfüllten Schlafsaal mit zwanzig schnarchenden Mitpilgern genächtigt hat, weiss den Wert eines eigenen, ruhigen Rückzugsorts zu schätzen.
Die Nachteile eines Zeltes
Zusätzliches Gewicht. Das ist der entscheidende Punkt. Ein gutes Trekkingzelt, Schlafsack und eventuell eine Isomatte bringen schnell drei bis fünf Kilogramm zusätzlich auf die Waage. Auf einem Weg, bei dem jedes Gramm zählt und die Füsse ohnehin täglich 20 bis 30 Kilometer zurücklegen, ist das ein ernstzunehmender Faktor. Viele Pilger unterschätzen, wie stark sich zusätzliches Gewicht auf Knie, Rücken und Füsse auswirkt.
Weniger sozialer Austausch. Ein grosser Teil der Jakobsweg-Erfahrung entsteht in den Herbergen – gemeinsames Kochen, Gespräche am Abend, neue Freundschaften. Wer im Zelt übernachtet, verpasst oft diesen Teil der Reise.
Rechtliche Grauzonen. Wildzelten ist in Spanien und Frankreich nicht überall erlaubt. Man bewegt sich mancherorts in einer rechtlichen Grauzone und sollte sich vorab über lokale Regelungen informieren, um Ärger zu vermeiden.
Zusätzlicher Aufwand. Zelt aufbauen, abbauen, trocknen, Lagerplatz suchen – das kostet Zeit und Energie, die nach einer langen Etappe oft fehlt.
Mein Fazit als erfahrener Pilger
Für die klassischen, gut erschlossenen Abschnitte des Jakobswegs, etwa den Camino Francés, würde ich persönlich eher auf ein Zelt verzichten und stattdessen auf ein leichtes, kompaktes Biwaksack-System als Notfalllösung setzen. Auf weniger frequentierten Routen wie dem Camino del Norte, der Via de la Plata oder abgelegenen Abschnitten in den Bergen kann ein leichtes Trekkingzelt dagegen echten Mehrwert bieten und zusätzliche Sicherheit geben.
Wichtig ist in jedem Fall: Wenn du dich für ein Zelt entscheidest, investiere in ein möglichst leichtes Modell. Jedes eingesparte Gramm zahlt sich nach ein paar hundert Kilometern spürbar aus. In unserem Sortiment bei trivendo.ch findest du eine sorgfältig ausgewählte Auswahl an Ultraleicht-Zelten und Trekking-Equipment, die genau für solche Einsätze entwickelt wurden – getestet auf meinen eigenen Pilgerwegen.
Buen Camino!